Hofgeschichte des Erbhofes „Grott-Hof“

Inhaber Fam. Pichler Markus
Eggen, Rappenegg 14
I-39050 Deutschnofen (BZ)

Wo die Talflanke aus Welschnofen und die aus dem Eggental eine weithin sichtbare Bergkante bilden, von dort grüßt die Besucher des Eggentales, weit durch das Tal hinaus sichtbar, ein behäbiges Gehöft, mitten hineingebettet in die etwas steilen Felder, umrahmt vom Immergrün üppig wuchernder Wälder: der Grotthof.

Die schöne Lage auf der aussichtsreichen Anhöhe und der große wachstumsreiche Wald machen den Hof zu einem der schönsten Besitztümer des Dorfes Eggen und der Umgebung.

Urkundlich scheint dieser Hof erstmalig im Jahre 1237 auf 1). Damals bildete die ganze oben genannte Bergkante noch einen Besitz und trug den Namen Eck-Hof des „Seiurid de Ecke“ (heute Grotthof).

Im Pfarrarchiv Deutschnofen ist erstmals im Jahr 1310 die Rede von Chunradus von Ecke und dessen Sohn Ullinus, welche den großen alten Hof auf Ecken - Eck-Hof besessen haben. Grundherr war das Kloster in der Au bei Bozen / Gries. Der Wald hinter dem Haus, das sog. „Carneid Egg“, war jedoch dem Hochstift Trient grundzinspflichtig.

Bereits 1448 ist von einem „halben Hof auf Eghke“ die Rede. 1498 spricht man von einer Kirche in Egken 2).

Im Jahr 1519 wurde dann vom Eck-Hof, der Untereckerhof (heute Kobhof), abgetrennt und der Eck-Hof in den Obereckerhof umbenannt. Zu dieser Zeit hieß der Obereckerhof auch schon Himblhof – Himmlhof. Letztere Bezeichnung wird bis 1800 in den Gerichtsbüchern beibehalten. Auch das große Wetterkreuz, das stolz zwischen Haus und Stadel emporragt, bis dato erhalten ist und immer wieder erneuert wurde, dürfte lt. Inschrift aus dem Jahr 1519 stammen. Das Zeichen des Wetterkreuzes ist im Hofsiegel des Grotthofes verewigt und findet heute noch bei der Markierung der Grenzsteine/Pfosten und Werkzeuge seine Verwendung. Man sieht es auch als Verzierung bei der alten Eggentaler Frauentracht und am Giebel des Wohnhauses.

Im Jahr 1537 verschwand der Unterecker-Hof. Dieser wurde auf den Chobhof (heute Kob) und den Ruepphof (heute Ruep) aufgeteilt. Im Jahre 1594 hieß der heutige Grotthof nicht mehr Obereckerhof, sondern einfach Egghof oder Himmlhof.

Die Bezeichnung „Grotthof“ ist im Jahr 1634 erstmals erwähnt 3). Damals war auf dem Grotthof ein Christian Pfeiffer. Der Name „Grott“ stammt vom Schreibnamen der früheren Besitzer und scheint erstmals um 1550 auf, als Steffan Grott am Obereckerhof war. Dieser Familienname verschwand aber bereits wieder im Jahr 1569, da der damalige Besitzer Cristian Grott, auch noch Besitzer des Ruepphofes, keine männlichen Nachkommen hatte. Von den drei Töchtern wurde Eva Bäuerin beim Obereckerhof. Den Schreibnamen Grott gab es damals auch beim Moserhof und beim Gaspererhof, beide in Deutschnofen.

Im Jahr 1671 gab es einen großen Brand am Grotthof, dessen Spuren bis heute im tiefen Keller ersichtlich sind. Das Wohnhaus brannte bis auf die Grundmauern nieder und auch alle „brieflichen Gerechtigkeiten“ und die alten Hausbriefe wurden ein Raub der Flammen. In dieser Zeit war der Grotthof, so wie die Nachbarshöfe ringsum, hoch verschuldet, so dass bereits Jakob Pfeifer im Jahr 1753 den Wald unter dem Kleetalweg verkaufen musste. Seinem Sohn, Josef Pfeifer, setzten die Schulden noch mehr zu, so dass er im Jahr 1786 den Hof versteigern musste.

1786 (ab diesem Datum nur mehr Grotthof genannt) ersteigerte Ulrich Pichler, Sohn vom Unterlehenhof und ein Vorfahre des heutigen Grotthofbesitzers, Markus Pichler, den Hof um 1.800 Gulden.

Interessant ist, wie dieser damals sehr große Hof dem ganzen Tal den heutigen Namen Eggental gegeben hat 4). Bereits 1498 ist von einer Kirche in Egken die Rede und 1605 ist das Tal Eggen erwähnt. Zur Errichtung der Seelsorge in Eggen im Jahr 1681, bis dahin dem Kirchensprengel in Deutschnofen angehörig, wurden vom Nachbardorf Gummer ein paar Häuser, die sich dem Kardaunerbach entlang befanden, abgetrennt. So erweiterte sich der Begriff Eggental über den Zusammenfluss des Gerold- und des Kardaunerbaches hinaus. Der Kardaunerbach wurde Eggentalerbach und die großartige Schlucht, Eggentaler Schlucht genannt.

Quellen (neben mündlichen Überlieferungen):

  • 1) Höfegeschichte von Josef Tarneller „Acta Tirolensia“ zweiter Band der Notariats – Imbreviaturen des 13. Jahrhunderts, Innsbruck und „Die Hofnamen in den alten Kirchenspielen“, Wien 1914
  • 2) Deutschnofner Höfegeschichten, Heft II – Frau Rosa Bassi Stocker
  • 3) Erhebung zum Grotthof von Ing, Heinrich Flecker von Innsbruck Ostern 1994
  • 4) Artikel im Südtiroler Bauernkalender 1973: „Aus der Dorfchronik von Eggen“.

 

© Internetseite by Compusol